Großprojekte in der Region

Wohnen im Sperrgebiet

Wohl kaum jemand hätte vor ein paar Jahren angenommen, dass aktuelle Großprojekte noch über die ambitionierten Konversionspläne der 90er-Jahre hinausgehen könnten. Die derzeit stattfindenden Planungen in der Region Havelland-Fläming beweisen das Gegenteil. Es scheint, als werden dabei keine Hürden gescheut, die beispielsweise von Seiten des Denkmal- und Naturschutzes, der Landes- oder auch der Verkehrs- und Infrastrukturplanung auferlegt werden.

Krampnitz – vom Militär- zum modernen Potsdamer Wohnstandort

Im Norden Potsdams, im Stadtteil Fahrland, wird das ehemalige Kasernengelände Krampnitz zu neuem Leben erweckt. Das Konzept sieht die Um- und Wiedernutzung des in den 1930er-Jahren von der Wehrmacht zu militärischen Zwecken errichteten und heute denkmalgeschützten Gebäudebestands sowie eine Nachverdichtung mit Neubauten vor.

Ziel des Projektes ist die Entlastung des angespannten Potsdamer Wohnungsmarktes. Die ursprüngliche Planung, die auf dem 150 ha großen Areal die Errichtung von Wohnraum für ca. 1.700 Wohneinheiten (ca. 4.000 Einwohner) beabsichtigte, ist bereits überholt. Noch in diesem Jahr ist die Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs geplant. Im Rahmen dessen sollen über die bisherigen Planungen hinaus zusätzliche Wohnungsbaupotenziale ermittelt werden.

Die große Anzahl neuer Bewohner macht auch die Planung von sozialer Infrastruktur notwendig. Derzeit sind auf dem Gelände zwei Kindertagesstätten und eine Grundschule mit Hort vorgesehen. Wenn Potsdam die prognostizierten Einwohnerzahlen auch zukünftig früher als angenommen erreicht, wird das Krampnitzgelände mit seinen bestehenden Flächenpotenzialen in seiner Bedeutung als Wohnstandort voraussichtlich weiter zunehmen.

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Höher, schneller, weiter im Olympischen Dorf in Elstal

Der während der Olympiade im Jahr 1936 zur Unterbringung von Sportlern dienende Standort wird zu einem Wohnquartier, in dem mittelfristig bis zu 3.000 Einwohner (ca. 1.000 Wohneinheiten) leben könnten. Dazu wird das rund 52 ha große Areal abschnittweise entwickelt. Der Bund unterstützt den ersten Bauabschnitt als national bedeutendes Städtebauprojekt. Es ist zunächst geplant, im westlichen Teil den Wohnungsbau inklusive der Revitalisierung des historischen Gebäudes „Speisehaus der Nationen“ voranzutreiben. Später könnte im östlichen Teil der Neubau weiterer Wohnungen sowie von Einfamilien- und Reihenhäusern folgen. Ziel ist es, einen Mix aus verschiedenen Wohnangeboten zu schaffen.

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Kreativquartier in Beelitz-Heilstätten

Großstädtisch muten die Planungen für ein modernes, gemischt genutztes Quartier an, das im Stadtteil Beelitz-Heilstätten, rund 6 km nord-westlich der Ortslage Beelitz, entstehen soll. Unter dem Label „Refugium Berlin“ werden bereits erste Ateliers und Studios mit Arbeits- und Wohnmöglichkeiten für Kreativschaffende vermarktet. Ein sogenanntes „Creative Village“ innerhalb der denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Heilanstalt für an Tuberkolose erkrankte Arbeiter aus Berlin ist das erklärte Ziel des Investors.

Ein neues Stadtquartier soll an gleichem Ort auf einem ca. 67 ha großen Gelände bis 2025 entwickelt werden. Dafür sehen die Planungen neben der Schaffung von Wohnraum für ca. 1.000 Wohneinheiten in Mehrfamilien-, Einfamilien-, Doppel-, und Reihenhäusern, Gewerbeflächen, soziale Infrastruktur sowie die notwendigen Versorgungseinrichtungen vor. Auch ein Ärztehaus sowie eine Wohneinrichtung für alte Menschen sind im Gespräch. Urbanes Flair soll durch einen zentralen Marktplatz mit umliegenden Restaurants erzeugt werden.

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark hat darüber hinaus sein Interesse an dem Standort bekundet. In den kommenden Jahren könnte somit auch ein Teil der Kreisverwaltung dorthin verlegt werden.

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Ein schwieriger Spagat

Öffentlichkeitwirksame Großprojekte bis zum Lückenschluss auf jahrelang brachliegenden Flächen in zentraler Lage (siehe Artikel - Ende des Dornröschenschlafs) - die Spanne derzeitiger Planungen in Städten und Gemeinden der Region ist breitgefächert. Sie zeigt, das Interesse von Investoren, aber auch von Menschen auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum ist im Südwesten Brandenburgs so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr. Wie lange dieser Boom anhält, lässt sich nicht vorhersehen. Es ist ein schwieriger Spagat, den die Kommunen zwischen kurzfristigen Impulsen und langfristigen Entwicklungsüberlegungen machen müssen.

 

Veröffentlicht am: 11.04.2018